Frau mit Kreditkarte in der Hand sitzt vor Laptop

Amazon: Bewertungen prüfen

„Wow – das muss ein tolles Produkt sein“ denken Sie. Die von Ihnen angeklickte Handyhülle auf Amazon hat 95 Prozent überaus zufriedene KäuferInnen, welche die Hülle mit fünf Sternen bewertet haben. „Ab in den Einkaufswagen damit!“ Die Ernüchterung folgt zwei Tage später: Sie merken bereits direkt nach dem Auspacken der Handyhülle, dass dieser Artikel alles andere als hochwertig ist. Sie stecken Ihr neues Handy dennoch hinein und prompt bricht eine Ecke Plastik aus der Hülle heraus. Wie ist das möglich? Es hatte doch so wahnsinnig gute Bewertungen auf Amazon!

Frustriert schmeißen Sie die kaputte Hülle zurück in die kleine Versandschachtel. Da entdecken Sie einen kleinen bunten Flyer, auf dem die Worte prangen:

***REWARD***

Bewerten Sie unser Produkt positiv und erhalten Sie einen 10€-Amazon-Gutschein für Ihren nächsten Einkauf.

 

„Aha, so funktioniert das also.“

 

Rezensionstausch und Belohnung für viele Sterne

Doch das ist erst der Anfang. Unüberschaubar sind mittlerweile die Mittel und Wege der verschiedenen Amazon-Anbieter, an gute Bewertungen zu kommen. Verständlich – denn die Konkurrenz ist groß und nur, wer viele Verkäufe und zusätzlich noch ausreichend gute Bewertungen hat, rankt in den Suchergebnissen ganz oben.

Auf Facebook gibt es beispielsweise ganze Netzwerke von Usern, die sich gegenseitig gute Bewertungen zuschustern. Auch beliebt sind Facebook-Gruppen, auf denen Anbieter ihre Produkte „kostenlos“ anpreisen. Zwar müssen die dann erst einmal gekauft werden, doch versprechen die Anbieter als Dank für eine sehr gute Rezension, das Geld im Anschluss zurückzuüberweisen.

Was taugen Bewertungen auf Amazon und Co. wirklich?

Fake-Bewertungen erkennen

  1. Kurzer Zeitraum

Die Top-Bewertungen wurden alle innerhalb weniger Tage vergeben? Dies ist häufig ein Indiz dafür, dass sie beauftragt worden sind. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Bewertungen auf einer sogenannten Promo-Aktion basieren.

Denn alle namhaften Kosmetikfirmen kommen so zu der Vielzahl an positiven Bewertungen ihrer Produkte auf den eigenen Webseiten. So verschickt beispielsweise ein großer Creme-Hersteller kurz nach dem Launch eines neuen Produkts jede Menge an Proben an einen ganzen Pool von „Produkttestern“. In der Hoffnung, weiterhin regelmäßig mit kostenlosen Produkten versorgt zu werden, bewerten diese „TesterInnen“ dann das entsprechende Produkt auf den einschlägigen Produktseiten mit vier oder fünf Sternen.

  1. Kaum auf dem Markt – schon bewertet

Bekommt ein Produkt binnen weniger Tage nach seiner Markteinführung unverhältnismäßig viele Reviews, so ist dies ebenfalls verdächtig. Einen Verkaufsstart durch ermogelte Rezensionen (wie z. B. in Punkt 1 beschrieben) zu pushen, ist eine weitverbreitete Masche unter Marken und Anbietern.

  1. Lange Lobgesänge

Die Mühe, einen langen Text zu schreiben, machen sich in der Regel nur KundInnen, die von ihrem Einkauf sehr enttäuscht sind. Sehr detailliert schildern sie, was mit dem Produkt nicht stimmt und weshalb es sein Geld nicht wert war. Zufriedene KundInnen fassen sich für gewöhnlich eher kurz. Schwärmt also eine KäuferIn besonders detailliert von einem Artikel, ist dies ein Grund, skeptisch zu werden.

 

  1. Werbung statt Bewertung

Klingt eine Bewertung eher nach Werbung als nach einem echten Testbericht, ist der Verdacht einer Falsch-Bewertung oft berechtigt. Gerne wird hier auf Floskeln aus der Produktbeschreibung zurückgegriffen und vollständige Produktnamen genutzt.

  1. Copy und Paste

Ein Klick auf das Profil einer BewerterIn offenbart häufig, was er noch alles beurteilt hat und vor allem – wie. Hat er beispielsweise noch 20 andere Bücher bewertet, ist das genauso auffällig wie immer denselben Text zu schreiben und dabei konsequent vier oder fünf Sterne regnen zu lassen.

  1. Verifizierter Käufer

Nicht auf allen Plattformen muss man ein Produkt tatsächlich erworben haben, um einen Testbericht zu hinterlassen. Bei Amazon beispielsweise erkennen Sie an der Bezeichnung „verifizierter Kauf“, dass ein Produkt tatsächlich bestellt wurde. Selbstverständlich ist dies noch lange kein Beweis dafür, dass der dazugehörige Erfahrungsbericht der Wahrheit entspricht.

 

Bewertungen richtig filtern

  • Sortieren Sie die Bewertungen eines Produkts nach Erscheinungsdatum: „Neueste zuerst“.
  • Werfen Sie anschließend einen Blick auf das untere Ende der Milchstraße und klicken Sie die Bewertungen mit nur einem oder zwei Sternen an. Vergleichen Sie – wenn möglich – die Bewertungen eines Produkts auf den Seiten verschiedener Anbieter.

 

 

Rezensionen bewerten und nutzen

Auch negative Bewertungen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn hier gibt es ebenfalls jede Menge schwarzer Schafe.

  • Bedenken Sie, dass konkurrierende Anbieter absichtlich negative Bewertungen verteilen können.
  • Achten Sie stets auf das Datum einer Bewertung. Gelegentlich hatten Produkte vor einiger Zeit noch Mängel, die der Hersteller mittlerweile behoben hat.
  • Untersuchen Sie die Argumente, die in negativen Beurteilungen angeführt werden. Ein paar Beispiele:
    • „Das Buch ist mir persönlich zu lang.“ Die Seitenzahl hätte jemand schon vor der Bestellung erkennen können. Und vielleicht ist die Buchlänge für Sie genau richtig. Eine derartige Argumentation gibt keinen Aufschluss über die Qualität des Buches.
    • „Die Lieferung dauerte viel zu lang.“ Dies ist ein Punkt, der nicht zwangsläufig auf das Konto des Herstellers, sondern womöglich auf den Anbieter oder den Lieferdienst zurückzuführen ist.
    • „Der Artikel wurde defekt geliefert.“ Auch solch ein Vorkommnis muss nicht Schuld des Herstellers sein. In der Regel lassen sich schadhafte Produkte problemlos reklamieren und werden unkompliziert ersetzt. Aus diesem Grund eine schlechte Bewertung zu hinterlassen, ist daher eher fragwürdig.

Seien Sie stets kritisch und lassen Sie sich nicht zu schnell von zu vielen zu guten Bewertungen täuschen. Jedoch ist es auch wichtig abzuwägen: Schnell vergeudet man mehrere Tage mit der Recherche nach „dem einen richtigen“ Produkt. Hier gilt es, das richtige Maß zu finden. In der Regel lassen sich Fehlkäufe –insbesondere bei mangelnder Qualität – bei den meisten Anbietern problemlos reklamieren oder umtauschen.

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