Frau tippt Kindergeschichte am Computer

Erfahrungsbericht: Mein erstes Kinderbuch veröffentlichen Selfpublishing mit BoD

Der Traum vom eigenen Kinderbuch

  • Schon immer träumte ich vom eigenen Kinderbuch. Bereits im Grundschulalter schrieb ich eigene kurze Geschichten auf kleine Notizzettel. Ich bebilderte sie und klebte schließlich mit Tesafilm alle Zettelchen zu einem kleinen Buch zusammen.

Im Laufe der Jahre hatte ich immer wieder diverse Ideen für Geschichten im Kopf – meist entstanden diese beim Joggen. Oft verarbeitete ich hierbei persönliche Erlebnisse und verwandelte diese dann zu Märchen oder Fabeln. Nur aufgeschrieben habe ich sie eben nie. Bis mich dann eines Tages die Motivation packte, da ich einem guten Freund eine Geschichte schenken wollte. Und in meinem Kopf gucken lassen konnte ich ihn schlecht.

Meine Geschichte Eule Weule und das Glück war in wenigen Stunden zu Papier gebracht. Stolz überreichte ich die Geschichte dem besagten Freund, zeigte sie später weiteren FreundInnen und Familie mit etwa den Worten: „Ich habe ein Buch geschrieben.“

Weiter passierte erst einmal lange nichts.

Die Bilder

Problematisch bei den meisten Kinderbüchern ist in meinem Fall, dass sie meist von Illustrationen dominiert sind. Viele Geschichten verdanken ihren Erfolg den ansprechenden und kindlichen Bildern.

So leicht mir das Schreiben fällt, so sehr mangelt es mir jedoch an malerischem Talent. Schlecht informiert, wie ich war, ging ich davon aus, mich nur mit Illustrationsentwürfen bei Verlagen bewerben zu können. Ich suchte also erst einmal eine grafisch talentierte Person, die Lust auf meine Geschichte hatte und kein Geld verlangte. Tatsächlich – mit viel Glück und über ein paar Umwege – fand ich eine solche Person.

Rückblickend erwies sich dieser Schritt aus zwei Gründen als nachteilig. Erstens ließ ich der Designerin komplett freie Hand – da ich nicht bezahlte, stellte ich keine Ansprüche. Zweitens führte ihr beruflicher Hintergrund dazu, dass ihre Bilder sehr „designhaft“ wurden. Letztendlich war dies auch ein Feedback, das ich von einigen Verlagen bekam. Kindgerechtere, verspieltere Zeichnungen wären passender gewesen.

Außerdem waren wir beide die ganze Zeit zusätzlich in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis eingespannt, weshalb wir in unserer Arbeit nur sehr langsam vorankamen.

Nichtsdestotrotz bin ich sehr dankbar für ihre Arbeit und Engagement und bin mehr als zufrieden mit unserem Ergebnis.

Die Verlagssuche

Unerfahren wie ich war, wollte ich zuerst gern mit einem Verlag zusammenarbeiten – in der Hoffnung, dieser würde mich an die Hand nehmen und mir die restliche Arbeit abnehmen. Nach einiger Recherche schickte ich ein Exposé der Geschichte zusammen mit dem Skript an rund zehn Verlage.

Nach und nach trudelten Absagen im Wechsel mit Feedback ein: Die Bilder seien zu designhaft, die Geschichte enthalte zu viele Ideen und verfolge zu viele Ziele parallel. Und vor allem: Es gibt bereits mindestens zwei sehr erfolgreiche Eulen-Kinderbücher.

Von zwei Verlagen erhielt ich hilfreicherweise sehr ausführliches Feedback. Ich entschied mich jedoch dagegen, ihr Feedback in Eule Weule und das Glück umzusetzen. Ich hatte diese Geschichte hauptsächlich aus privaten Motiven geschrieben und wollte diese nicht von Kopf bis Fuß umkrempeln und neu schreiben, nur um sie zu kommerzialisieren. Dennoch wollte ich sie veröffentlichen. Nicht, weil ich mir durchschlagenden Erfolg erhoffte, sondern einfach, weil ich mir den Traum erfüllen wollte, mein erstes Buch zu veröffentlichen, ein Projekt abzuschließen und um der Erfahrung willen. Um den großen Durchbruch und Reichtum kann ich mich ja später immer noch kümmern.

Da ich weder zu Selbstüberschätzung neige noch reich bin, war es keine Option, selbst in die Produktion zu gehen. Ich begab mich also auf die Suche nach einem Verlag, der „on demand“, also auf Nachfrage, die Bücher einzeln druckt. Somit musste ich nicht in Vorleistung gehen.

Books on Demand

Ich wühlte mich durch zahlreiche Foren, Blogs und Verlagsseiten und entschied mich schließlich für den hanseatischen Verlag BoD. Eine gute Übersicht von Anbietern und ihren Leistungen gibt es z. B. hier.

Ausschlaggebend für mich waren die verhältnismäßig günstigen Vertragskosten von 19,00 € pro Jahr und die besonders große Auswahl an belieferten Händlern. Außerdem kann ich meine Verkaufsstatistik selber täglich überprüfen.

Probedrucke konnte ich in Form eines „Fun“-Auftrags drucken lassen. Dies erwies sich als sehr sinnvoll, wobei jeder Druck selbst bezahlt werden musste. Die Qualität der Drucke sowie Haptik und Optik der verschiedenen Papiere wie auch der Umschläge ließ sich nur auf diesem Wege begutachten. Ich ließ mir also eine kleine Auswahl an Probeexemplaren mit unterschiedlichem Papier zusenden.

Da es sich bei meinem Buch um ein Kinderbuch handelt, war es mir wichtig, einen robusten Einband und ebensolche Innenseiten anzubieten, damit sie durch patschige Kinderhände nicht zu schnell in Mitleidenschaft gezogen würden. Sieht man sich die vielfältigen Kinderbücher auf dem Markt an, sind die unterschiedlichsten Varianten in Papier- oder gar Kartonausführung zu finden. Haptik, Optik sowie Strapazierfähigkeit sind meines Erachtens größtenteils für den Gesamteindruck eines Kinderbuchs ausschlaggebend. Auch lassen sich viele Spielereien entdecken wie z. B. eingearbeitete Klappen, Drehscheiben oder gar Bücher, die von vorn und hinten zu lesen angefangen werden können. Sämtlicher Schnickschnack dieser Art ist bei BoD nicht möglich. Ich entschied mich für eine preisgünstigere Paperback- bzw. Taschenbuchvariante und ein Hardcover, beide mit etwas dickeren Seiten.

Preisgestaltung und Tantieme

BoD wirbt damit, dass die AutorInnen bis zu 70 % des Nettoerlöses erhalten. Letztendlich konnte ich zwar die Höhe der finalen Kaufpreise selbst festlegen, jedoch waren die Mindestpreise bei meinen beiden Büchern bereits so hoch, dass ich nur noch wenige Cent aufschlug. Gründe für die hohen Kosten waren zum einen die Hardcover-Variante und zum anderen die etwas dickeren Seiten. Hätte ich meinen Gewinnanteil weiter erhöht, lägen die Preise meiner Bücher in Sphären, die niemand für ein Kinderbuch dieser Art bereit wäre zu zahlen. Das Taschenbuch verkaufe ich jetzt für 8,99 € und das gebundene Buch für 16,99 € – beiden haben 44 Seiten. Wer 16,99 € zahlt, ist womöglich am Ende überrascht ist, ein so kleines, unspektakuläres Buch gekauft zu haben.

Um die 19,00 € BoD-Jahresgebühr wieder hereinzuholen, muss ich mehr als 50 Exemplare verkaufen. Insgesamt belaufen sich die Kosten, die ich bislang in das Projekt gesteckt habe, auf rund 250 € (ohne Arbeitszeit). Für AutorInnen von Romanen ist BoD vermutlich besser geeignet.

Qualität

Bereits zwei von drei Probedrucken hatten mehrere Mängel, die BoD im Zuge meiner Rückfrage auch als Reklamationen anerkannte. Es gab Blitzer, schwarze Farbstreifen und Farbverläufe in Bildern, in denen kein Verlauf zu sein hatte. Auf meine Nachfrage hin, ob es denn keine Qualitätssicherungen gäbe, verneinte BoD dies. Die KäuferInnen meiner Bücher können sich aber natürlich mit Beanstandungen ebenfalls an den BoD-Kundenservice wenden und in gerechtfertigten Fällen eine neues Exemplar bekommen. Wirklich zufriedenstellend war das für mich als Autorin natürlich nicht, aber eine Wahl hatte ich auch nicht. Umso enttäuschter war ich, als ich schließlich in Bücher schaute, die meine Bekannten gekauft hatten. In drei von drei Fällen fand ich auf Anhieb Mängel.

Sicher – tagtäglich werden bei BoD mehrere Hunderte bis Tausende verschiedener Bücher gedruckt und so passiert es eben, dass die Farben nicht richtig eingestellt und Druckköpfe nicht sauber sind. Aber bei solchen Preisen sollte das doch eher die Ausnahme sein. Finde ich zumindest.

Kundenservice

Auch wenn mich die Druckqualität und die Preise von BoD enttäuscht haben, bin ich sehr zufrieden mit ihren MitarbeiterInnen im Kundenservice. Meine Anfragen und Probleme wurden in der Regel zeitnah bearbeitet und behoben. Alle meine Fragen wurden in zahlreichen Anrufen geduldig und freundlich beantwortet.

Mein zweites Kinderbuch

Die Summe aller Erfahrungen, die ich in den etwa drei Jahren Veröffentlichungsprozess gesammelt habe, ist für mich unbezahlbar. Mein größter Erfolg besteht darin, das Projekt abgeschlossen und meine erste Kindergeschichte publiziert zu haben. Weder meine Geschichte noch die Illustrationen oder das Preisleistungsverhältnis sind geeignet, um daraus großen Profit zu schlagen. Dennoch habe ich mithilfe von ein wenig PR mein Ziel erreicht, ein paar Exemplare an Menschen zu verkaufen, die mich nicht persönlich kennen. Außerdem habe ich gemeinsam mit der Illustratorin beschlossen, sämtliche Einnahmen aus unserem Projekt – thematisch passend – an den NABU-Vogel des Jahres zu spenden. Dass es sich bei „Eule Weule und das Glück“ um ein Herzensprojekt handelt, sollte spätesten jetzt deutlich sein.

Gerade arbeite ich an meinem zweiten Kinderbuch. Fast alles mache ich anders: Über das Protagonisten-Tier gibt es sicherlich noch kein anderes erfolgreiches Kinderbuch. Zwar habe ich auch dieses Mal nicht den Anspruch, viel Geld zu verdienen, aber ein besseres Preisleistungsverhältnis für meine junge Leserschaft und eventuell noch ein paar mehr verkaufte Exemplare würden mich schon ein wenig stolz und vielleicht auch glücklich machen. Aber das weiß nur die Eule Weule.

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