Das Postfach-Monster

Egal ob wir hoch motiviert zu Beginn des Jahres einen Vertrag mit dem Fitness-Studio abschließen, bei einer Promotion für den neusten Opel auf dem Marktplatz am Samstag eine Karte für dessen Verlosung ausfüllen oder ob wir zum ersten Mal bei einem neuen Online-Händler ein paar Schuhe bestellen, irgendwann kommen wir alle an dem Punkt, an dem wir nach unserer E-Mail-Adresse gefragt werden.     

Diese Stelle im Vertrag, auf der Gewinnspielkarte, im Bestellformular und auch sonst wo versuchen die meisten von uns häufig einfach zu ignorieren. Das E-Mail-Postfach ist doch eh schon so voll. Wozu brauchen wir noch einen Newsletter, den wir dann doch nie lesen? Wollen wir wirklich auch noch per Mail daran erinnert werden, wie lange man schon wieder nicht beim Sport war. Wer benötigt monatlich eine Rabatt-Aktion für ein neues Auto? Welcher Mensch kauft sich monatlich ein neues Auto? Und die neuen Schuhe schicken wir dann doch auch wieder zurück, weil die Qualität so mies war. In diesem Online-Shop kaufen wir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht noch einmal ein. Und warum erhalten wir plötzlich Mails von einem Online-Möbelhändler, wenn wir vorher noch nie online Möbel bestellt haben? Kurzum: Nein, wir möchten unsere Mailadresse nicht angeben. Schließlich kann der Gewinner des Autos ja auch angerufen werden.

„Das ist aber ein Pflichtfeld.“, sagt der Promoter auf dem Marktplatz. „Bitte füllen Sie alle mit ‚*‘ markierten Felder aus“, meldet das Online-Bestellformular.

„Also gut“, denken wir und tippen bereitwillig unsere Mailadresse ein. Denn wir wollen ja schließlich das Auto gewinnen. Blauäugig glauben wir, den lästigen Werbemails entgehen zu können, wenn wir einfach kein Häkchen bei „Newsletter bestellen“ setzen. Aber so einfach ist das leider in der Regel doch nicht.

Für gewöhnlich beinhaltet eines der sogenannten Pflichtfelder, vor das wir ein Kreuzchen setzen müssen, nämlich immer den Inhalt „Zustimmung zur Verwendung und Weitergabe personenbezogener Daten zum Zwecke der Werbung oder Markt- oder Meinungsforschung“ oder einen ähnlichen Wortlaut. Hier argumentiert der Kundenservice dann häufig: „Ja, sonst dürfen wir Sie nicht kontaktieren, wenn Sie hier nicht ankreuzen.“ Die Folgen sind allerseits bekannt: Eine Flut an Mails mit Werbung oder vermeintlich relevanten Nachrichten

bricht über uns herein. Das Postfach-Monster poltert zur Tür herein und macht es sich erst einmal bei uns gemütlich.

Jahrelanges Setzen von Häkchen dieser Art führt dazu, dass wir unser E-Mail-Postfach mehr und mehr vernachlässigen. Nachrichten von unbekannten Absendern werden schon oft gar nicht mehr geöffnet und einfach direkt in den virtuellen Papierkorb geschoben. Anfangs waren wir vielleicht noch ängstlich, ein wichtiges Angebot verpassen zu können. Jedoch haben wir früher oder später doch alle resigniert aufgegeben, hier durchzublicken. Neu eingegangenen Nachrichten werden lediglich noch überflogen und nach tatsächlich relevanten Absendern und Inhalten mit den Augen gescannt. Doch es bleibt nicht aus: Wichtige Informationen, Termine und Interaktionen können in diesem E-Mail-Sammelsurium einfach verloren gehen.

Wer denkt, dem Newsletter-Monster eine Falle bauen zu können, indem das Postfach Mails eines bestimmten Absenders oder mit einem immer wiederkehrenden Betreff mithilfe eines Filters direkt in einen Spam-Ordner verschiebt, der weiß nicht, wie clever das Newsletter-Monster ist. Ganz gewieft wechselt es einfach regelmäßig seine Mail-Adresse und lädt seinen Abfall somit doch wieder in unserem Postfach ab. Hieß der Absender zu Beginn beispielsweise new@service.com, so heißt er einen Monat später auf einmal newsletter@service.com. Auch die Betreffzeile wechselt das freche Monster nach Lust und Laune aus. Aus der Betreffzeile „Wichtige Nachricht von Anna“ wird dann „Wichtige Nachricht von Anton“.

Das Newsletter also mal eben in eine Falle verbannen? Weit gefehlt.

Aber was tun, damit das eigene Postfach nicht schon bald an die Grenzen seiner Speicherkapazität stößt?

Die vermeintliche Lösung finden wir für gewöhnlich am Ende der meisten Werbenachrichten. Das Austragen meiner Adresse aus einem Verteiler über einen Link. Ein Klick auf „Abmelden“. Und das war‘s?

Es ist nicht überraschend, dass es nicht so einfach ist, dem Monster zu entkommen. Wie wir bereits feststellen konnten, ist es äußerst clever und denkt sich nicht nur immer wieder neue Wege aus in unser Postfach zu kommen, sondern auch, wie es dort möglichst lange Zugang hat.

Viele Werbenachrichten enthalten zum Beispiel gar keinen Abmeldelink. Oder dieser ist so klein und unkenntlich, dass er im Textfluss schlichtweg übersehen wird. Von Monster-Mail zu Monstermail trägt der Link auch einen anderen Namen. Mal heißt er Abmelden, mal Abbestellen, mal Austragen und manchmal nur Hier oder Formular.

Und findet man den Link, ist es auch noch lange nicht vorbei mit den Steinen, die uns das Monster in den Weg gelegt hat. Oft ist der Abmeldelink abgelaufen oder funktioniert nicht. Auch das Formular, zu dem wir beim Klicken auf den Link weitergeleitet werden, ist häufig fehlerhaft programmiert.

Doch gelegentlich schafft man es ja doch. „Sie haben sich erfolgreich von diesem Newsletter abgemeldet.“ Schreibt uns das Monster auf den Bildschirm und lacht sich ins Fäustchen. Denn auch wenn uns die Abmeldung als erfolgreich signalisiert wird, schließt dies nicht aus, dass der zuständige Serviceprozess im Hintergrund versagt hat und wir weiterhin Post erhalten. Und während wir uns erleichtert zurücklehnen und uns freuen, nun eine Nachricht am Tag weniger zu erhalten, warten schon weitere Werbe-Mails von Drittanbieter-Nachrichtendiensten auf uns, die unsere Abmeldung ebenfalls nicht erhalten haben.

Ebenfalls ein Fallstrick des Monsters: Die Abmeldung hat funktioniert und man ist endlich ausgetragen, aber eben nur in einer bestimmten der Kategorie des Absenders.

In welchen Kategorien das Monster sonst noch Werbung für uns bereithält, das dürfen wir dann im nächsten Mailing erfahren. Auch wird bei der Abmeldung meist nicht automatisch der weiteren Nutzung der eigenen E-Mail-Adresse im Allgemeinen widersprochen. Viele anderen Mailings wie auch die Weitergabe zu Werbezwecken an Drittanbieter können noch aktiv sein.

Wer dem Monster ernsthaft mit Kammerjäger-Effekt an den Kragen möchte, der muss etwas mehr Arbeit leisten. Von ein paar Klicks auf „Abmelden“ lässt es sich nur selten beeindrucken. Eine E-Mail an den Verursacher macht ihm da schon eher Angst.

So wird es gemacht: Der Absender der einzelnen Nachrichten wird direkt angeschrieben. In dieser Nachricht muss ausdrücklich jeglicher Nutzung unserer Daten zwecks Newslettern, Gewinnspielen und sonstiger Werbung, bei der es einer Einwilligung bedarf, widersprochen werden. Im gleichen Zuge fordert man am besten noch die Löschung sämtlicher zu diesen Zwecken gespeicherter personenbezogener Daten. Und wenn man schon dabei ist, kann darüber hinaus die Weitergabe an Dritte widerrufen werden. Abschließend muss unbedingt eine Bestätigung über den Eingang der Nachricht angefordert werden. Um Kontakt aufzunehmen, kann jede Mailadresse, die als Absender in Newslettern hinterlegt ist, genutzt werden, ebenso Mailadressen, die im Impressum oder der Datenschutzerklärung als Kontakt einer Website angegeben sind.

Nach und nach werden Antwort um Antwort in unseren Postfächern eintrudeln. Und langsam aber sicher wird das Monster Klein beigeben und uns endlich wieder in Ruhe schlafen lassen. Bis zur nächsten Kundenkarte.

Schlaf gut liebes Monster und träum was Süßes!

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